Die Digitalisierung ist nicht mehr aus dem Dritten Sektor wegzudenken.

Die Buchhaltung, das Fundraising oder die Projektverwaltung der meisten Social-Profit-Organisationen sind längst software-unterstützt. Einige befassen sich auch bereits mit der Anpassung ihrer Webseite an mobile Endgeräte oder mit der Programmierung hilfreicher Apps.

All dies sind Mosaiksteinchen. Meist werden sie wie gewachsen einzeln gehändelt und die Verantwortung liegt je Maßnahme bei einem anderen Beteiligten. Doch je nach Größe einer Organisation sollte man irgendwann die Draufsicht suchen und eine möglichst kohärente Digitalstrategie entwickeln. In dieser werden alle Aspekte gebündelt gesteuert werden und idealerweise stärken sie sich gegenseitig.

Das Thema „Digitalisierung“ ist Chefsache

Vergleichbar einer Vermögensanlage- oder Fundraising-Strategie muss jede Organisation auch eine Digital-Strategie erarbeiten. Diese umfasst nicht nur die IT-Infrastruktur, sondern auch Prozessketten im Backoffice-Bereich, in der Kommunikation inkl. Spen¬denmarketing, Weiterbildungsmaßnahmen für ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende, die Projektarbeit etc.

Jede Organisation benötigt ein „Innovations-Management“, das die technischen Anforderungen, die begrenzten finanziellen Ressourcen und die sozialen Aspekte ausbalanciert. Diese Aufgabe kann weder an „die“ IT noch an „die“ Verwaltung delegiert werden. Sie braucht die Gestaltung und Führung durch oberste Gremien und Geschäftsleitung. Das Thema Digitalisierung wird nicht mehr von der To-Do-Liste verschwinden – es wird Vereine und Stiftungen in Zukunft immer begleiten.

digital
Telefon auf dem Tisch

Herausforderungen der Digitalisierung für gemeinnützige Organisationen

Damit sind nicht nur die Klassiker wie Online-Marketing und Fundraising-Datenbanken gemeint, sondern auch Themenbereiche wie Mobil-Banking, Big Data oder Blockchain-Technologie – um nur einige der Schlagwörter zu nennen. Während Veränderungen im Spendenverhalten durch neue Zahlungs¬methoden und darauf angepasste Fundraising-Strategien naheliegend sind, scheinen Auswirkungen durch neue Technologien noch weit weg zu sein.

Doch das täuscht. Gerade die Änderungen in den vielfältigen – an den Organisationszwecken ausgerichteten – Arbeitsfeldern selbst werden Anpassungen in der Organisation insgesamt und damit auch im Fundraising erzwingen.

Das Dilemma gemeinnütziger Organisationen

Viele deutsche Organisationen sind für die Herausforderungen der Digitalisierung nicht gut aufgestellt. Es fehlt Geld. Und somit an Zeit und Knowhow. Doch dazu kommt oft auch mangelnder vereinspolitischer Wille. Im Arbeitsalltag ist die IT lediglich ein „notwendiges Übel“ – ein Werkzeug, das halt gebraucht wird. Investitionen werden so lange aufgeschoben, bis der Leidensdruck groß genug ist. Viele Organisationen leben daher noch in der IT-Welt 1.0 – von 4.0 ganz zu schweigen.

Die strategische Bedeutung eines gut durchdachten und organisationsweiten Konzepts für die Vereins-Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wird selten gesehen. Doch die Ausarbeitung und schrittweise Umsetzung einer solchen Digital-Strategie kann in naher Zukunft existenzielle Bedeutung für die Organisationen bekommen.

MacBook auf Tisch

Diese Problematik betrifft natürlich auch viele Firmen und Unternehmen – daher gibt es zurzeit viele staatliche Förderprogramme, um diese bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Leider sind die meisten dieser Fördertöpfe den gewerblichen Unternehmen vorbehalten – ein weiteres Problem für die Nonprofits.

Sie stecken in einem großen Dilemma: sie stehen unter dem Druck möglichst wenig Geld in diese Bereiche zu investieren, sie verfügen meist selbst nicht über das notwendige Knowhow – und finanzielle Unterstützung von außen gibt es viel zu wenig. Hier ist viel Bewusstseins- und Lobbyarbeit auf allen Ebenen notwendig.